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„Wenn sich da u. U. etwas machen ließe“. Potenzielles Raubgut im Bibliotheksbestand des Leibniz-Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung

Projektverantwortlicher: Tillmann Tegeler
Projektmitarbeiterin: Daniela Mathuber, Simon Holmer (studentische Hilfskraft)
Laufzeit: 2022—2024
Förderung: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste

Das durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste geförderte Projekt wird klären, ob die Bestände der Bibliothek und der Kartensammlung des IOS Medien enthalten, die den Besitzer*innen während der Zeit des Nationalsozialismus unrechtmäßig entzogen wurden.

Publizierte Quellen belegen, dass wichtige Akteure den Willen und/oder die Möglichkeit hatten, an Raubgut zu gelangen:

Fritz Valjavec (1908—1960) bemühte sich als Geschäftsführer des Südost-Instituts in München darum, Raubgut aus der Untersteiermark zu erhalten. Ob er damit Erfolg hatte, ist noch offen. Zudem besorgte er 1941 in Rumänien und der Westukraine Bücher, die ebenso für seine Privatbibliothek wie für das Südost-Institut bestimmt gewesen und sowohl rechtmäßig, als auch unrechtmäßig erworben worden sein könnten. Das Südost-Institut kaufte Valjavecʼ Privatbibliothek 1965 an.

Hans Koch (1894—1959), der erste Direktor des Osteuropa-Instituts in München, bewegte sich während des Krieges dienstlich im Umfeld von Stellen, die unmittelbar an Kulturgutraub beteiligt waren, sodass er Gelegenheit gehabt hätte, sich für seine Privatbibliothek zu bereichern. Letztere kaufte das Osteuropa-Institut 1960 an.

Zuletzt ist Wilfried Krallert (1912—1969) zu nennen. Er leitete während des Krieges die Publikationsstelle Wien und gehörte dem Sonderkommando Künsberg an, das in Osteuropa unter anderem statistisches Material und Karten raubte. Krallert unterhielt sowohl zu Valjavec, als auch zu Koch engen persönlichen Kontakt und handelte nach dem Krieg im großen Stil mit den Restbeständen der Publikationsstelle. Zu seinen Kunden gehörten auch das Südost-Institut und das Osteuropa-Institut. Nach seinem Tod verkaufte seine Witwe Gertrud Krallert (1960—1980 die Leiterin der Bibliothek des Südost-Instituts) dem Südost-Institut Bücher, die aus diesem Zusammenhang stammen dürften.

Zudem ist nicht auszuschließen, dass das IOS und/oder seine Vorgängerinstitute unwissentlich Raubgut im antiquarischen Handel erwarben. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist grundsätzlich recht hoch anzusetzen, da Osteuropa massiv vom nationalsozialistischen Kunst- und Kulturgutraub betroffen war.

Während der Projektlaufzeit werden rund 20 000 Medien aus der Zeit vor 1945 überprüft, Auffälligkeiten schriftlich und bildlich dokumentiert und zuletzt der Hintergrund zu diesen Funden recherchiert. Die Ergebnisse werden unter anderem im OPAC sowie durch die Publikation eines Aufsatzes einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

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