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Forschungsagenda

Bild: IOS/neverflash.com

Die lange Geschichte und Gegenwart von Transformationsprozessen in Ost‐ und Südosteuropa zu verstehen und zu erklären steht im Kern der Forschungsagenda des IOS. Transformation ist eine prägende Erfahrung der Gesellschaften der Region – und zwar nicht erst seit dem Ende des Staatssozialismus. Daraus ergibt sich die gesellschaftliche Profilierung des Instituts, das Wandel sowohl auf einer langen Zeitachse (seit dem 18. Jh.) erforscht als auch seine jeweils aktuellen Dynamiken in den Blick nimmt. Dabei werden Akteure ebenso wie Strukturen untersucht. Zur Anwendung kommen v. a. geschichts-, wirtschafts- und politikwissenschaftliche Zugänge. Durch die Betonung sowohl von transnationalen als auch vergleichenden Perspektiven werden Phänomene nicht aus sich selbst heraus erklärt und Ost‐/Südosteuropa als Geschehenseinheiten nicht verabsolutiert. Denn wir wollen den Platz „unserer“ Region in der Welt verstehen, aber auch umgekehrt jenen der Welt in der Untersuchungsregion; daher unser Interesse für Verflechtungen, Beziehungen, Verbindungen und Transfers. Mit diesen Perspektiven zielt die Forschung des IOS auf neue Erkenntnisse über das Verhältnis von Umbruch und Kontinuität sowie von Divergenz und Konvergenz. Regional fokussiert das IOS dabei den Raum der ehemaligen Sowjetunion (inklusive Zentralasien) sowie Südosteuropa, operiert aber jeweils mit flexiblen Raumbegriffen.

Ein solches Forschungsprogramm betont Kontextsensibilität. Gesellschaftliche Phänomene und Prozesse werden sowohl auf die Bedeutung übergreifender Faktoren (wie Konjunkturen, Ideologien, Umwelt, Technologie) hin analysiert, als auch in Bezug auf die raumspezifischen Konstellationen. Mit seinen methodischen Expertisen kann das IOS damit den Zusammenhang von kurzzeitigem Wandel mit langandauernden Veränderungsprozessen, zwischen den sozialen Praktiken und den Strukturen der Gesellschaft untersuchen – für aktuelle wie vergangene Fallbeispiele. Es geht mithin um die Identifikation von Faktorenbündeln auf unterschiedlichen räumlichen und zeitlichen Ebenen, um herauszufinden, wie und warum Menschen, Institutionen und andere Akteure in bestimmten Momenten so agieren, wie sie agieren. Dafür müssen auch Erfahrungs- und Erwartungshorizonte sowie Sinngebungen, mithin also kulturelle Faktoren, berücksichtigt werden.

Die Forschungsagenda des IOS bringt die Arbeitsbereiche Ökonomie und Geschichte sowie die Politikwissenschaftliche Forschungsgruppe in einer multidisziplinären Matrixstruktur zusammen. Seit 2021 strukturieren zwei Problembereiche die Forschung am IOS:

  1. „Institutionalisierung, De‐Institutionalisierung, Re‐Institutionalisierung“
  2. „Mobilität(en) und Ungleichheit(en)“.

Der 2019 mit der Universität Regensburg eingerichtete Leibniz-WissenschaftsCampus „Europe and America in the Modern World: Frictions and Transformations of Globality since the 19th Century“ verdeutlicht die Verortung des Instituts in den transregionalen Area Studies sowie das Bestreben, Globalisierungsprozesse in allen ihren Ambivalenzen und lokalen unterschiedlichen Manifestationen zu erforschen.

 

Institutionalisierung, De‐Institutionalisierung, Re‐Institutionalisierung“:

Das Forschungsfeld untersucht Ursache, Folgen und Ausprägungen der Formierung bzw. Rekonfiguration, aber auch der Auflösung und des Zusammenbruchs von institutionellen Ordnungen aus historischen sowie gegenwartsorientierten Perspektiven. Es betont den Prozesscharakter dieser Phänomene in der langen ebenso wie der kurzen Dauer. Ebenso geht es um die Dimension des Konflikts, auch des gewaltsamen, und wie dieser auf Institutionen wirkt. Wie schaffen Institutionen Legitimität und Geltung, und wie verlieren sie diese, wie operieren sie unter extremen Bedingungen, was macht die Qualität von Institutionen aus? Dem Schwerpunkt liegt ein offenes Verständnis von Institution als formellen und informellen Handlungsrahmen und Regelungssystem für gesellschaftliches, politisches und ökonomisches Handeln von Akteuren zu Grunde. Dabei können Institutionen selbst die Rolle von Akteuren einnehmen. So verstanden eröffnet die Erforschung von im Zeitverlauf uneinheitlichen, in ihrer geografischen Reichweite unterschiedlichen Prozessen der Re- und De-Institutionalisierung zahlreiche Möglichkeiten für die Analyse von gesellschaftlicher und politischer Stabilität, von Brüchen in Vergangenheit und Gegenwart und von wirtschaftlichem Auf- und Abschwung. Einen Schwerpunkt wird die Analyse von Konflikt- und Kooperationsdynamiken in ihrer institutionellen Ausprägung bilden, einen anderen die Frage nach Varietäten von Staatlichkeit.

Mobilität(en) und Ungleichheit(en)

Aufbauend auf die umfangreichen Forschungen des IOS zu Arbeit und Migrationsprozessen werden die Zusammenhänge von Migration und Ungleichheit, die in unterschiedliche Richtungen ausstrahlen, analysiert. Dazu verschränken wir (sozial)historische und sozialwissenschaftliche Perspektiven: Einerseits sind manche Strukturen von Ungleichheit und darauf basierende Mobilitätsmuster von langer Dauer; andererseits markieren ökonomische Krisen, politische Umbrüche oder Kriege markante Einschnitte in diesem Zusammenhang, etwa indem neue politische Ordnungen neuartige (Un-)Gleichheitsvisionen propagieren. Der Begriff Mobilität enthält vielfältige Bedeutungen, die sowohl räumliche Migrationen als auch den Wechsel des sozioökonomischen Status in einer Gesellschaft, ebenso wie immaterielle Transfers umfassen. Ihre Formen und Dynamiken hängen eng mit Strukturen und Praktiken der Ungleichheit zusammen, ja sie konstituieren sich gegenseitig. Die Forschungsfragen reichen von den Ursachen sowie Rückwirkungen von internationaler Migration und Binnenmobilität, der Interaktion von zentralen Kategorien der gesellschaftlichen Differenzierung (wie Geschlecht, Ethnizität, Persönlichkeitsmerkmale oder Raum) mit Mobilitäts- und Ungleichheitsmustern, den Wechselwirkungen mit ökonomischer Rückständigkeit und mit Konjunkturzyklen bis zur Frage, wie diese Phänomene von gesellschaftlichen Akteuren auf unterschiedlichen Interaktionsebenen wahrgenommen, interpretiert und politisiert werden.

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